Bericht zum 31. Oktober in Berlin

Nachdem es nun schon aus Leipzig einen Indymedia-Bericht über den 31. Oktober gibt, hier nun auch ein zusammengetragenes Update aus Berlin. Es macht Sinn, eine Berichterstattung von unten wieder neu anzugehen und damit die Macht der bürgerlichen Presse und der nicht sozialen Netzwerke einzuschränken. In Berlin zeigt sich ja nicht zuletzt am Beispiel der Riots mit Molotovcocktails im Märkischen Viertel, wie gezielt Informationen zurückgehalten werden.

Der Mittag des 31.

Nach einem Wirrwarr in der Mobilisierung zu den Demos gab es schließlich um 14:00 eine erste Kundgebung am Brandenburger Tor. An die 10.000 Menschen könnten es gewesen sein, die sich da um die zentrale große Bühne geschart hatten und teils den Beiträgen zuhörten, teils in Grüppchen mit verschiedenen Fahnen und Transparenten rumstanden. Altersmäßig und auch Backgroundmäßig war es sehr gemischt. Es gab Palästinafahnen und die Masse positionierte sich in Slogans wiederholt gegen Faschismus. Die Stimmung war zunächst langweilig und später dann auch ein bisschen laut. Spannung lag definitiv nicht in der Luft. Auch die Bullen waren nur mäßig frech mit kleinen Trupps, einigen Kripogruppen und Psychologenteams innerhalb der Menschenmenge. Ihr Gros war umliegend abgeparkt.

Die Abenddemo

Ca. 2.000 Leute liefen – wohl spontan – als Demo vom Brandenburger Tor zum Rosenthaler Platz, wo die als „kurz und knackig“ angekündigte Abenddemo stattfinden sollte. Dort hatten sich schließlich wieder mehrere tausend Leute versammelt und die Bullen mit einem massiven Aufgebot an Behelmten den Raum eingeschlossen. Die Masse der Demonstrant*innen war aber nicht entnervt oder eingeschüchtert sondern aufmüpfig gelaunt. Sie setzte sich wieder aus einer bunten Mischung zusammen. Sehr viele waren schon vermummt und einige hatten auch Schutzbrillen aufgesetzt. Schon am Rosenthaler flogen einzelne Flaschen und Eier auf die Bullen und Feuerwerk wurde gezündet. Die Demo lief dann bergauf durch den Weinbergsweg, machte einen Schlenker rechts durch den Kiez, dann auf die Kastanienallee. Es gab Spalier durch die Bullen aber, weil sich die Mengen verteilt hatten und nicht nur die Strasse sondern auch den Fußweg nahmen, auch viele Lücken. Die verwirrten Bullen befanden sich teils plötzlich mitten in der Menschenmasse und hatten Probleme, ihre geschlossene Formation zu halten und Einzelne von ihnen verloren hin und wieder den Anschluss. Feuerwerk war der Dauerbrenner und die Bullen legten es nicht drauf an, wie sonst immer, dagegen vorzugehen. So konnte die Demo bester Stimmung durch die Kastanienalle und dann rechts in die Danziger ziehen. Als es dann links in die Prenzlauer Allee ging, kam ein weiterer kleiner Demozug von geschätzt 300 Leuten aus Richtung Mitte und schloss sich an. Wenig später griffen die Bullen an. Vermutlich hatten sie die Demo vorher für aufgelöst erklärt. Auf Höhe des Planetariums kam es zum Handgemenge und auch zu Steinhageln aus dem Gleisbett gegen die Bullen. Eine Tram die im Trubel gestrandet war, wurde mit Parolen besprüht. Die Bullen gingen wie immer mörderisch rein und hinterließen einige Menschen in Blutlachen, konnten aber über länger Zeit die Situation nicht unter Kontrolle bringen, da die Masse auswich oder auch mal Bullen einkreiste und Gefangen
e befreite. Andersherum versuchten die Bullen, die Demo durch Kesselungen aufzuteilen. Pfefferspray kam in Massen zum Einsatz. Nach einer längeren Episode war die Menschenmasse zersprengt und viele Leute gingen. Reste blieben wohl noch erheblich länger. Insgesamt ist die Qualität des Widerstand gegen die Bullen als ziemlich gut zu bewerten. Viele Leute erlebten das ganze als wohltuend bzw. als beste Demonstration seit Jahren.

Spätabendliche Ereignisse

In Kreuzberg kam es laut Hörensagen am Abend noch zu einer kleinen unangemeldeten Demo zum 2. Jahrestag des Todes des Anarchisten Kyriakos Xymitiris. Rund um den Görtlitzer Bahnhof nahmen sich dafür mehrere Dutzend Menschen ohne Begleitung der Bullen die Straße. Dabei kam es auch zu ordentlich Feuerwerk und kleineren Ausschreitungen.

Mülltonnen und ein Auto brannten laut mit Vorsicht zu behandelnder Meldungen der bürgerlichen Presse an mehreren Stellen in Kreuzberg. Ebenso wird nun im Kontext von Halloween und den Demos Berichtet, dass es am selben Tag Versuche bzw. Erfolge im Stadtgebiet gab, Schaufenster von Läden zwecks Umverteilung von Waren aufzubrechen.

In der Rigaer Straße brannten dem Buschfunk zufolge Barrikaden.

Und wie Eingangs schon erwähnt, gab es laut Presse und Polizeimeldungen vom Montag offenbar auch im Märkischen Viertel am Samstagabend Ausschreitungen, bei denen die Polizei mit Böllern, Steinen und einem Molotovcocktail beworfen wurde. Es seinen 16 Menschen festgenommen und mehrere unbenutzte Molotovcocktails gefunden worden. Das Ganze soll sich dann am Sonntagabend wiederholt haben, wobei eine Gruppe von 120 Menschen wieder Molotovcocktails und Steine warfen und die Bullen 2 Stunden lang in Atem hielten. 10 Menschen seien verhaftet worden.

Weiter gehen könnte es in Berlin am 20. November. Es gibt Aufrufe und Graffitis, die darauf hinarbeiten.

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passiert am 31.10.2026